Samstag, 14. März 2026

Kaffee verlangsamt Alterung bei Menschen mit psychischen Problemen

Kaffee bremst die Alterung bei psychischen Problemen (Foto: pixabay.com)


Kaffee ist längst nicht mehr das ungesunde Getränk, mit dem man sparsam umgehen muss. Eine neue Studie liefert nun erneut einen Beitrag zum Thema Gesundheit: Täglich drei bis vier Tassen verlängern die Telomere bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

 

Das entspricht etwa fünf zusätzlichen Lebensjahren im Vergleich zu psychische Kranken, die keinen Kaffee trinken.

Telomere sind die Schutzkappen am Ende der Chromosomen, die oft mit den Kunststoffenden von Schnürsenkeln verglichen werden. Bei jeder Zellteilung werden sie ein Stückchen kürzer. Das ist ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses. Bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Psychosen und bipolaren Störungen scheint dieser Abnutzungsprozess jedoch beschleunigt zu verlaufen. Da Telomere empfindlich auf Umweltfaktoren reagieren, fragten sich Forschende des King’s College London, ob Kaffee möglicherweise Einfluss auf diese Alterungsgeschwindigkeit hat.

Kaffeetrinker oder Nicht-Kaffeetrinker

Sie untersuchten Daten von 436 Erwachsenen aus der norwegischen TOP-Studie, von denen ein Teil an Schizophrenie litt und der Rest an einer psychischen Erkrankung wie bipolare Störung oder einer schweren Depression mit psychotischen Merkmalen. Die Teilnehmer gaben an, wie viel Kaffee sie täglich tranken, und wurden auf dieser Grundlage in vier Gruppen eingeteilt, die von keinem Kaffee bis zu fünf Tassen oder mehr pro Tag reichten.

Auch das Rauchverhalten wurde eingehend untersucht, da dies ein wichtiger Faktor ist, denn Koffein wird bei Rauchern schneller abgebaut. Dies erwies sich als relevant: Mehr als drei Viertel der Teilnehmer rauchte, im Durchschnitt bereits seit neun Jahren, und insbesondere die starken Kaffeetrinker erwiesen sich auch als die stärksten Raucher. Außerdem fiel auf, dass Menschen mit Schizophrenie im Durchschnitt mehr Kaffee tranken als Teilnehmer mit anderen Diagnosen.

Längere Telomere

Anschließend wurde in Blutproben die Länge der Telomere gemessen. Als die Forschenden die Gruppen miteinander verglichen, zeigte sich ein deutlicher J-förmiger Zusammenhang. Wer überhaupt keinen Kaffee trank, hatte relativ kurze Telomere. Wer drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag trank, hatte deutlich längere Telomere, selbst nach Korrektur hinsichtlich Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Diagnose, Medikamenteneinnahme und Rauchverhalten. Wer jedoch fünf Tassen oder mehr trank, verlor diesen Vorteil wieder. Die Gruppe mit drei bis vier Tassen hatte Telomere, die zu jemandem passen, der biologisch etwa fünf Jahre jünger war als ein Nicht-Kaffeetrinker.

Keine weitreichenden Schlussfolgerungen

Auch wenn es verlockend ist, zu schlussfolgern, dass Kaffee eine Art Anti-Aging-Elixier ist, warnen die Wissenschaftler, dass es sich hierbei um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie können also nicht mit Sicherheit sagen, dass Kaffee tatsächlich die Telomerlänge beeinflusst. Außerdem wissen sie nicht, welche Art von Kaffee die Teilnehmer getrunken haben, wie viel Koffein sie genau zu sich genommen haben und zu welcher Tageszeit sie den Kaffee getrunken haben. Dennoch gibt es biologische Erklärungen, die diesen Zusammenhang plausibel machen. Kaffee enthält starke Antioxidantien und entzündungshemmende Substanzen, und Telomere reagieren extrem empfindlich auf oxidativen Stress und Entzündungen. Ein moderater Kaffeekonsum kann somit möglicherweise die Zellen vor der beschleunigten Alterung schützen, die bei schweren psychischen Erkrankungen häufiger auftritt.

Es gibt eine Kehrseite

Aber es gibt eine Kehrseite. Bei mehr als vier Tassen pro Tag verschwinden die Vorteile und Kaffee kann sogar zu zusätzlicher Zellschädigung beitragen, da hohe Koffeinmengen die Bildung reaktiver Sauerstoffmoleküle fördern. Dies steht im Einklang mit den Richtlinien internationaler Gesundheitsbehörden, die empfehlen, täglich nicht mehr als etwa vier Tassen Kaffee zu trinken, was etwa 400 Milligramm Koffein entspricht.

Diese Studie zeigt vor allem, dass alltägliche Gewohnheiten wie Kaffeetrinken überraschend intensive Spuren im Körper hinterlassen können, bis hin zu unseren Chromosomen. Insbesondere für Menschen, bei denen die Telomere schneller altern, wie beispielsweise bei psychisch Kranken, kann Kaffeetrinken daher von großem Vorteil sein.

 

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